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Der Klimawandel trifft uns alle. Aber nicht alle gleich

  • 20. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Apr.

Verschiedene Studien haben mehrfach deutlich gemacht, dass die klimatischen Veränderungen besonders jene Menschen treffen, die schon heute Benachteiligung erfahren.


Diese Erkenntnis gilt sowohl im globalen Maßstab wie auch in Deutschland: Der Klimawandel und seine Folgen betrifft vor allem Menschen mit vergleichsweise geringen Ressourcen: an Geld, an Teilhabe, an Einfluss, an Handlungsspielräumen oder Widerstandsfähigkeit, auch gesundheitlich. Denn fehlende Mittel und Zugänge erschweren einerseits den nötigen Schutz, andererseits das Ausweichen auf nachhaltige Alternativen und eine bessere Anpassung an den eintretenden Wandel (s. u.a. Oxfam-Berichte Oktober 2024 und Oktober 2025 sowie 7. Armuts- und Reichtumsbericht, Lebenslagen in Deutschland, Kap. 6, Dezember 2025).


Dagegen haben Menschen mit mehr Ressourcen – höhere Einkommen, mehr Gestaltungsspielräume, mehr politischer Einfluss etc. – eine bessere Ausgangssituation, sowohl um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen als auch um sich anzupassen. Und oft auch mehr Wissen und Zeit, um sich mit Fragen des Klimaschutzes zu beschäftigen. Es gibt also eine erkennbare soziale Schieflage, was die Folgen des Klimawandels betrifft.


Verantwortung und Betroffenheit liegen weit auseinander

Dabei ist ebenfalls gut dokumentiert, dass die größten Verursacher des Klimawandels überwiegend in der zweiten Gruppe zu finden sind. Weil klimaschädliches Verhalten zunimmt, je höher das Einkommen ist, insbesondere durch einen Zuwachs an Emissionen im Bereich Verkehr (s. u.a. Umweltbundesamt, Wirkungen veränderter Einkommen auf den Ressourcenverbrauch, 2021 und DIW-Wochenbericht 27/2024, S.421ff.). Es gibt also auch eine soziale Schieflage beim Beitrag zum Klimawandel.


Weitere soziale Herausforderung drohen mit Blick auf die nötige Klimapolitik: Wer über mehr finanzielle Spielräume verfügt, kann steigende Preise für umweltschädliches Verhalten , etwa für den Verbrauch von Öl und Gas, leichter verkraften. Menschen mit höheren Einkommen fällt es zum anderen auch leichter, in Alternativen zu investieren, etwa in eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder in ein (zusätzliches) Ticket für den ÖPNV. Sie können sich damit zugleich unabhängiger machen und an der ökologischen Wende aktiv teilnehmen. Wer dies nicht kann, bleibt abhängig – von teurer werdenden fossilen Energien, aber auch von den Entscheidungen anderer, in klimafreundliche Alternativen für alle zu investieren. Ähnliches gilt für den ländlichen Raum und in Regionen, deren Arbeitsmarkt stark durch fossile Energieträger geprägt wurde. Wo Zugänge zu nachhaltigen Alternativen fehlen, wird die Anpassung erschwert oder sogar unmöglich.


Die Lösung: eine ehrgeizige Klimapolitik mit sozialer Ausrichtung

Die Folgen einer unzureichenden Klimaschutzpolitik tragen bereits heute überwiegend benachteiligte Haushalte und Personen: sie sind es, die an den großen Hauptverkehrsstraßen wohnen, wo ohne Verkehrsbeschränkungen und Tempolimit u.a. Lärm, Emissionen und Feinstaub die Gesundheit belasten. Sie wohnen in Vierteln, die meist über wenig Grünpflanzen, Beschattung und Frischluftzufuhr verfügen. Und sie sind auf Sozialwohnungen angewiesen, die bisher kaum energetisch saniert und mit Wärmpumpen ausgerüstet werden. Gleichzeitig verliert ein eher abstrakter Wert wie Klimaschutz an Bedeutung gegenüber drängenden persönlichen Existenzsorgen.  


Deshalb ist der Verzicht auf Klimapolitik keine Lösung. Das Nicht-Handeln gefährdet eine lebenswerte Zukunft - und verschärft die bereits bestehenden Benachteiligungen von Menschen mit kleinen Einkommen und geringeren Ressourcen, wie die obigen Beispiele zeigen.


Außerdem entstünde dadurch eine weitere soziale Schieflage: ohne ausreichenden Klima- und Umweltschutz nehmen wir kommenden Generationen – und damit unseren Kindern, Enkeln und weiteren Nachfahren – die Gestaltungsmöglichkeiten (s. Urteil Bundesverfassungsgericht 2021). Sie müssten erhebliche Kosten für die dann umso dringendere Transformation tragen, ohne für Klimawandel und Umweltzerstörung verantwortlich zu sein. Wollen wir das?


Klimasozialpolitik schützt Umwelt und soziale Sicherheit

Befragungen zeigen, dass einer überwiegenden Mehrheit der Deutschen Klimaschutz nach wie vor wichtig oder sehr wichtig ist. Gleichzeitig sorgen sich viele Menschen vor zunehmenden sozialen Konflikten und einem weiteren Auseinanderdriften von Arm und Reich durch klimapolitische Maßnahmen (s. folgende Grafiken, Umweltbewusstseinsstudie 2024 u.a.).


Wenn wir verhindern wollen, dass sich im Zuge der Klimawende Ungerechtigkeiten fortsetzen und neue entstehen, müssen wir die drohenden Schieflagen in den politischen Antworten berücksichtigen.  Statt Klimapolitik als Gegenspieler von Wirtschafts- und Sozialpolitik zu betrachten, sollten wir erkennen, wie diese zusammenwirken: Wer sich heute unabhängig von fossilen Energien wie Öl und Gas macht, kann nicht nur Krisen und Diktatoren in Ölstaaten mit kühlem Kopf begegnen, sondern auch den steigenden Preisen. Wer Klimapolitik nicht allein dem Markt und der Preisbildung überlässt, sondern nachhaltige Alternativen vor allem für jene schafft, denen die individuellen Möglichkeiten dazu fehlen, schützt die soziale Sicherheit und die Umwelt.


Es ist Aufgabe der Klimasozialpolitik, die hier skizzierten Zusammenhänge aufzuzeigen und Lösungen zu entwickeln, die sowohl den sozialen Zusammenhalt als auch Umwelt und Klima ausreichend schützen und Einzelpersonen weder finanziell noch moralisch überlasten.






Grafiken: I.Famula

Quellen: Umweltbundesamt, Umweltbewusstseinsstudien 2024 und 2022; Forschungsstelle Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland 2025; Ariadne: Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energie- und Verkehrswende 2023.

 
 
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